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Polizeireport

21. November 2019

+++ Heilbronn: Zwei Unfälle mit Radfahrerinnen +++

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Cleebronn: Erlebnispark Tripsdrill wird 2020 um zwei Großattraktionen reicher

Tripsdrill kündigt für 2020 die Eröffnung von gleich zwei neuen Achterbahnen an. Einzigartig ist, dass sich beide Bahnen in ihrem Streckenverlauf mehrfach kreuzen und sich damit einen atemberaubenden Wettstreit liefern.

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Impfpflicht für Masern

Schul- und Kindergartenkinder sollen wirksam vor Masern geschützt werden. Das ist Ziel des Masernschutzgesetzes, das am 17. Juli 2019 im Kabinett beschlossen wurde.
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Ab sofort können sich Versicherte der Gesetzlichen Krankenkassen in Baden-Württemberg online von einem Tele-Arzt beraten lassen.
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Mit Gaby Hauptmann geht die Auszeichnung "Weingenießerin des Jahres“ erstmals an eine Frau.

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Weinbauverband Württemberg: Mitgliederversammlung 2019

Am 7. Mai fand in der Alten Kelter in Besigheim die Mitgliederversammlung des Weinbauverbands Württemberg statt. Präsident Hermann Hohl resümierte in seiner Rede den Weinjahrgang 2018 und gab einen kritischen Ausblick auf den Weinbau der Zukunft.

Bericht des Präsidenten Hermann Hohl:

Weinjahrgang 2018

2018 war zweifellos ein herausforderndes Weinjahr. Früher Austrieb, langanhaltende Trockenheit, regionaler Hagelschlag, Starkregen. Zum Glück wandte sich im Spätsommer dann noch vieles zum Guten. Und so konnte württembergweit eine an Menge und Güte hochwertige Traubenernte eingebracht werden.
Die Mostgewichte lagen bei allen Sorten über dem langjährigen Mittel. Besonders hervorzuheben ist der makellose Gesundheitszustand der Trauben. Dies führte zu hervorragenden Qualitäten und diese lassen sich in die Reihe der Jahrhundertjahrgänge einordnen.
Auf der 10.904 ha großen Ertragsrebfläche wurden 115 Mio. Liter Weinmostmenge geerntet. Im Vergleich waren es in 2016 114 Mio. Liter, 2007 129 Mio. Liter und 2002 131 Mio. Liter. Die Ergebnisse eines Jahrgangs werden in unterschiedlichen Mengen angegeben Einmal nach dem Herbst in kg/Traubenmost hl und die relevante Zahl ist die Weinmosternte.
Aus heutiger Sicht sollte der Weinmostertrag von 115 Mio. Liter den Weinmarkt nicht durcheinander wirbeln und zu Billigpreisen führen, sondern muss dem Qualitätsniveau gerecht werden und hat eigentlich Preiserhöhungen verdient.

Erfolgreiche Weinbaupolitik auf Landesebene

Ich möchte beginnen mit den Fördermöglichkeiten. Hier wäre zu nennen der Vorwegabzug vom Weinbaubudget für Werbezwecke im Binnenmarkt für das Anbaugebiet Baden und Württemberg 500.000€
Auch auf Initiative des Landes wurde bei den GAP-Verhandlungen erreicht, dass die Fördermittel für den Weinbereich bis 2023 fortgeführt werden, für B-W rund 10 Mio. € und bei vorgesehenen minimalen Kürzungen auf 9 Mio. €.

Steilst- und Terrassenlagen

Eines der wichtigsten Aufgaben des Verbandes ist der Erhalt der landschaftsprägenden Steilst- und Terrassenlagen in Württemberg. Die Steillagen prägen in besonderer Weise unsere Kulturlandschaft. Somit leisten sie auch für die Tourismuswirtschaft einen besonderen Beitrag. Unsere Touristen halten sich sehr gerne in diesen einzigartigen Naturwelten auf und genießen diese in vollem Umfang. Gerne nehmen sie die Angebote der Weinbaubetriebe in Form von Aussichtsplattformen und Weinausschankhütten wahr und genießen dabei ein Glas Wein.
Leider gibt es in manchen Weinbaulandkreisen ab und zu noch Genehmigungsprobleme beim Bau von Ausschankhütten. Beim letzten Landrätetreffen, zu dem die beiden Weinbauverbände Baden und Württemberg eingeladen haben, wurde dieses Problem angesprochen. Es wurde zugesagt, dass anhand des Beispiels „Hüttenverordnung des Landkreises Heilbronn“ zukünftig Genehmigungen erfolgen können.
Das für den Erhalt der Steilstlagen aufgelegte Förderprogramm des Landes Baden-Württemberg wurde 2018 zum ersten Mal in von den Weinbaubetrieben in Anspruch genommen. Es wurden 514 Anträge für insgesamt 309 ha Rebfläche gestellt.
   
Risikomanagement

Durch die witterungsbedingte Auswirkung des Klimawandels werden wir es vermehrt mit Wetterkapriolen zu tun haben. Diese wirken sich besonders durch einen frühen Austrieb unserer Reben aus und diese sind dadurch den verstärkten Spätfrösten ausgesetzt. Hinzu kommt das Risiko von vermehrten Hagelunwettern mit Starkregen, sowie ausgeweitete Dürreperioden, die zu erheblichen Schäden in den Weinbergen führen.
Um gewisse Vorsorge zu leisten, ist ein Risikomanagement zu entwickeln, das auf einer Versicherungslösung aufgebaut ist. Herr Minister Hauck hat bei verschiedenen Anlässen durchblicken lassen, das Bestreben des Weinbauverbandes, eine Versicherungslösung auf den Weg zu bringen, zu unterstützen.

Schutzgemeinschaften

In 2018 hat Herr Minister Hauck die beiden Weinbauverbände per Verordnung als Schutzgemeinschaft anerkannt. Es gibt in der Schutzgemeinschaft noch kleine Anfangsprobleme, insbesondere was die Vertretung der Vermarktungsseite in der Schutzgemeinschaft betrifft. Wir werden aber auch diese, so meine ich kleine Problem noch lösen.
Die Schutzgemeinschaft wurde in 2018 nicht mit Arbeit zugeschüttet, sondern es ist zunächst abzuwarten, was bei der neuen Weingesetzgebung für die Schutzgemeinschaft geregelt wird.

Neues Deutsches Weingesetz

Am 15. März 2019 hatte Ministerin Klöckner die Vertreter der Anbaugebiete und die Gruppierungen der Deutschen Weinwirtschaft zu einem runden Tisch „Nationale Weinrechtsform“ nach Bonn ins Bundesministerium eingeladen.
Beim Gespräch wurden für die Weinwirtschaft wichtige Eckpunkte angesprochen.

Hektarregelung

Die geltende Hektarertragsregelung soll erhalten bleiben. In Württemberg gilt das Einwertmodell (110hl/ha) mit der Überlagerungsmöglichkeit. Zukünftig können die Schutzgemeinschaften einen höheren oder niedrigeren Wert je nach Marktgegebenheit festlegen.

Bezeichnungsrecht

Der Deutsche Weinbauverband setzt sich weiterhin dafür ein, das alte Qualitäts- und Bezeichnungsrechtssystem in ein herkunftsorientiertes Qualitäts- und Bezeichnungssystem zu überführen, das für den Verbraucher transparent und leicht verständlich ist. Herkunft muss also künftig ein Qualitätsversprechen sein.
Innerhalb der g.U. ist eine vierstufige Herkunftspyramide zu entwickeln, die aus den Stufen „Anbaugebiet Großlage/Bereich, Gemeinde/Ortsteil und Lage“ besteht. Die Großlage soll in das System integriert werden. Hierbei ist eine klar erkennbare Abgrenzung zwischen der Einzellage und der Großlage zu entwickeln.
     
Genehmigungssystem für Rebenpflanzungen

Aus unserer Sicht hat sich das Genehmigungssystem bisher bewährt. Das jetzige System der Begrenzung schafft Planungssicherheit. Daher besteht bei der Begrenzung von 0,3 % der Gesamtrebfläche eines Anbaugebietes bei der Verteilung der Neuanpflanzungsrechte, sowie bei den Prioritätskriterien momentan kein Handlungsbedarf. Die Ausweitung von Rebflächen soll weiterhin eingeschränkt gehandhabt werden.

Traditionelle Begriffe

Die Änderungen am bestehenden System der traditionellen Begriffe, bedarf einer umfassenden Beratung der Thematik. Die Verwendung der Prädikate geht in den letzten Jahren kontinuierlich zurück. Wenn sie weiterhin verwendet werden sollen, muss eine hohe Wertigkeit des Weines damit verbunden werden.
Am 16. Mai findet ein weiteres Gespräch mit der Ministerin statt. Wir sind alle gespannt, welche Vorschläge dann auf dem Tisch liegen!
Die Weinbauverbände sowie die Politiker sind aufgefordert, eine auf die Zukunft ausgerichtete Reform des Weingesetzes auf den Weg zu bringen.

Strukturwandel greift um sich

Wie ist die Situation auf Seiten unserer Betriebe? Zurzeit sind wir einem starken Strukturwandel ausgesetzt. Viele Kleinst- und Nebenerwerbsbetriebe hören auf; der Grund hierfür ist nicht nur die schlechte Marktsituation, sondern auch die erdrückende Bürokratie. Auf der anderen Seite wachsen die Haupterwerbsbetriebe rasant in der Fläche. Was diese Betriebe ebenfalls vor nahezu unlösbare Aufgaben stellt. Und auch die Haupterwerbsbetriebe stöhnen unter der Bürokratie-Last.
Eine „Ent“-Lastung in diesem Bereich ist deshalb dringendst erforderlich! Das Thema Entbürokratisierung wird deshalb weiterhin ein Tätigkeitsschwerpunkt des Weinbauverbandes sein. Auch beim Mindestlohn sehen wir Gesprächsbedarf. Einer weiteren Erhöhung muss Einhalt geboten werden, da sie zu einer zusätzlichen Wettbewerbsverzerrung führen würde.
Dies auch im Sinne unserer jungen Betriebsleiter, denen ein attraktives Berufsumfeld geboten werden muss. Apropos Berufsnachwuchs: Auf diesen dürfen wir zweifellos stolz sein. Nach wie vor finden sich immer noch genügend junge Menschen, die bereit sind, den Beruf des Winzers zu erlernen. Damit dies auch in Zukunft so bleibt, sind attraktive Ausbildungsangebote wichtiger denn je, sodass der Berufsnachwuchs noch besser auf die künftigen Anforderungen vorbereitet ist.
Um dies zu gewährleisten, ist in Zusammenarbeit mit der Weinbauschule und der DHBW ein Bachelorabschluss „Wein-Technologie-Management“ zukünftig möglich. Ab Oktober 2019 können junge Menschen in einem praxisorientierten Studium innerhalb von sechs Semestern einen Hochschulabschluss erreichen.
Weiterhin wird es am Ernährungswissenschaftlichen Gymnasium in Heilbronn-Böckingen die Einführung des Wahlpflichtfaches „Weinbau“ geben. Das Abitur ist dann gleichwertig mit der Zwischenprüfung, somit muss der Abiturient nur noch ein Jahr Lehre absolvieren um den Berufsabschluss „Winzer“ zu erlangen.
   
Druck auf dem Weinmarkt nimmt zu

Lassen Sie mich noch einen Blick auf den Markt werfen. Der Marktdruck seitens der Auslandsweine nimmt weiter zu. Dies zeigte sich einmal mehr auf der ProWein in Düsseldorf, wo im März ca. 6.800 Aussteller aus über 65 Nationen, und damit so viele wie niemals zuvor, um die Gunst der Besucher buhlten.
Auf dem deutschen Markt selbst hat sich leider der Auslandsweinanteil ebenso weiter erhöht, wie die Konzentration im Lebensmittelhandel und somit der Einkaufsstätten. Dies zu Lasten des Direktverkaufs ab Hof. Hier sind neue Ideen und Konzepte gefragt, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken!
Vor diesem Hintergrund erscheint es wichtig, unsere Verbraucher auf dem heimischen Markt stärker „auf unsere Seite“ zu bringen. Dies wird uns aber nur durch gemeinsame, unabhängig von allen Gruppierungen getragene Aktionen gelingen, die zu einer Imageverbesserung unserer Produkte sowie des gesamten Anbaugebietes beitragen und führen.
Es wäre wünschenswert, wenn „d e r“ Verbraucher unsere Produktions-Nachteile gegenüber anderen Weinbauländern wertschätzen würde. Noch besser ist es, wenn unsere Kunden tatsächlich bereit sind, mehr Geld für unsere Produkte auszugeben. Garantieren diese ihm doch die Intakthaltung von Kulturlandschaft und regionalem Lebensraum. Ich wünsche mir, dass dieser Aspekt bei der Kaufentscheidung künftig noch deutlich mehr Berücksichtigung findet.

Wir brauchen den Weinbau der Zukunft

Erlauben Sie mir abschließend noch einen Ausblick in die Zukunft: Aus Sicht des WVW muss insbesondere auch die Digitalisierung weiter vorangetrieben werden, um daraus eine bessere Nutzung der technischen Möglichkeiten erreichen zu können – Stichwort Drohnen bzw. Robotik. Auch die Ökologisierung des Weinbaus muss ausgebaut werden, indem eine noch bessere Überwachung von Rebschädlingen und –krankheiten möglich wird und daraus folgernd ein reduzierter Pflanzenschutz. Zu fordern ist in diesem Zusammenhang auch ein Mehr an Forschung. Aber auch eine optimierte Ausbildung, eine stärkere bessere Vernetzung und vor allem auch noch mehr gemeinsame Anstrengungen zum Wohle der gesamten Weinbranche in Württemberg.
Um dies alles bewältigen zu können, ist und bleibt weiterhin eine starke Interessenvertretung gefragt und gefordert!
Damit möchte ich meine heutige Rede schließen.

Für das angelaufene Jahr wünsche ich Ihnen frostfreie Nächte, alles Gute uns schon jetzt einen guten (erfolgreichen) Herbst 2019!